Ein Papst, der erstmal für sich beten lässt

Der gestrige Abend hat mit so einigen Überraschungen aufgewartet. Unser neuer Papst ist in vielen Bereichen „der Erste …“. Beeindruckt aber hat er vor allem durch seine Bescheidenheit.

Als ich gestern Abend zum ersten Mal den Namen des neuen Papstes hörte, war da nicht viel mehr als ein großes Fragezeichen: Nie von ihm gehört! Und auch die ersten Augenblicke des „Neuen“ auf der Loggia haben mir nicht wirklich weiter geholfen – bis er zu sprechen anfing. Mein erster Gedanke: „Klasse, der Mann hat Humor!“. Genial fand ich auch, dass er mit allen erst einmal für seinen emeritierten Vorgänger gebetet hat, bevor es um seine eigene Person ging.

Eine wirkliche Gänsehaut aber verursachte mir die Bitte um Gebet, bevor Papst Franziskus selbst den Segen spenden wollte. In geneigter Haltung erwartet dieser Papst den Segen Gottes, den die Gläubigen auf dem Platz und überall in der Welt für ihn erbitten. Diese (innere und äußere) Haltung hat mich sehr stark erinnert an das Stufengebet in der außerordentlichen Form des Römischen Ritus. Hier neigt sich der Priester ebenfalls, bekennt sich als Sünder und erbittet von den Gläubigen das Gebet, bevor er seinen Dienst am Altar antritt und seinerseits Segen weitergibt. Mich hat das jedenfalls sehr berührt.

Und wie sehr kann man diese Haltung falsch verstehen! Der Berliner Kurier titelt „Sensation in Rom: Papst Franziskus verneigt sich vor der Welt“ (Hervorhebung von mir).

Da hat jemand gar nichts verstanden!

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3 Antworten zu Ein Papst, der erstmal für sich beten lässt

  1. Claudia Sperlich schreibt:

    Journalisten schaffen es echt immer wieder, daß ich mich frage:
    Wie ahnungslos kann ein alphabetisierter Mensch eigentlich sein?
    Allerdings zeigt diese Überschrift eines sehr genau: Die Welt (und zwar im Sinn von „Frau Welt“) hat längst so sehr die Herrschaft übernommen, daß Menschen, die (idealiter) vom Informieren und Schreiben leben, sie vollständig mit Gott verwechseln.

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  2. Ashmodai schreibt:

    Ich war auch sehr bewegt und habe einiges an Tränen vergossen.
    Wie die Presse es immer wieder schafft, die Ereignisse zu verdrehen und ihrem Gusto nach zu färben, ist mir immer wieder ein Rätsel.

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  3. fecistinos schreibt:

    Ich kann die hier beschriebenen Gefühle sehr gut nachempfinden. Und auch den Ärger über so dümmliche Zuschreibungen wie „konservativ“ und „progressiv“. Diese Kategorien sind nicht die des Evangeliums oder der Kirche. Das werden die Medienvertreter aber nie verstehen.

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