Einfachheit, Schönheit, Schlichtheit, Würde, Glanz… wie denn nun?

altarkerzenGerade laufen auf Facebook an mehreren Stellen Diskussionen über den neuen(?) Stil von Papst Franziskus in Bezug auf Liturgie und Paramente. Auslöser für eine dieser Diskussionen war meine Verlinkung eines sehr lesenswerten Artikels von P. Bernward Deneke FSSP, der auf dem Blog ‚Frischer Wind‘ veröffentlicht wurde: ‚Liturgie und Armut‘

Er schreibt unter anderem: „Während Prachtstücke der Goldschmiedekunst und Paramentik unbenutzt in Sakristeien oder Museen stehen, setzt man in der Liturgie vorwiegend dürftige und nichtssagende Massenprodukte ein, die oft nicht einmal billig oder wenigstens preiswert sind. An die Stelle evangelischer, franziskanischer Armut ist so die zur Schau gestellte Armseligkeit einer im Übrigen sehr wohlhabenden Kirche getreten…“

Ich kann nicht nachvollziehen, warum Paramente und Geräte, die frühere Generationen mit viel Liebe und unter Opfern angeschafft haben, achtlos in den Sakristeien verstauben und unter der Begründung der Einfachheit für reichlich Geld neue Sachen angeschafft werden. Liturgie hat eben auch eine zeitlose Komponente, anders als die individuelle Kleidung. Sie geht über die aktuelle gesellschaftliche Dimension hinaus. Ich finde es auch nicht falsch, die Dimension der himmlischen Herrlichkeit im Gottesdienst ausdrücken zu wollen. Auch das kann tröstlich sein. Und wenn ich mir die Ostkirchen so ansehe, ist da bei uns noch viel Luft nach oben.

Ich habe überhaupt nichts gegen Schlichtheit, solange sie Würde bewahrt. Was mir aber weh tut, ist diese Haltung „Endlich ist das weg!“, die ich in der letzten Zeit auf Facebook und anderswo immer wieder lese. Ich denke dabei an diejenigen, die mit viel Liebe versuchen (und in früherer Zeit versucht haben), das Beste für den Gottesdienst zu tun – aus Liebe zu Gott. Mein persönlicher Geschmack muss da erst einmal hintenan stehen. (Und gerade die vielgeschmähte „Brokatfraktion“ ist sich nicht zu schade, in vielen Fällen einfach das vor Ort Verfügbare zu nutzen)

Nochmal P. Deneke: „Nicht einer sakralen Glitzerwelt voller Prunk und Protz soll hier das Wort geredet werden. Gerade das Vorbild des heiligen Franziskus zeigt uns, dass es nicht hohle Veräußerlichung, nicht überfeinerter Ästhetizismus, auch nicht der Drang zu klerikaler Selbstdarstellung sein darf, der sich für die Schönheit der Liturgie und des Gotteshauses einsetzt, vielmehr die gläubige und liebende Betrachtung des geopferten Jesus in der schlichten Brotsgestalt.“

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4 Antworten zu Einfachheit, Schönheit, Schlichtheit, Würde, Glanz… wie denn nun?

  1. meckiheidi schreibt:

    Find‘ ich hervorragend! Gerade habe ich im TV einen Ausspruch gehört, und zwar von einer muslimischen ArchitektIN, die in Istanbul eine Moschee gebaut hat: „Künftige Generationen werden denken: hat in dieser Epoche überhaupt jemand gelebt????“ Sie bezog sich auf die Nüchternheit und mangelnde Kunstschöpfung in modernen religiösen Bauten. Wohlgemerkt, eine Architektin, und die Moschee ist wunderschön!
    Danke für diesen Artikel.

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  2. De Benny schreibt:

    Bin ja evangelisch und betrachte die ganzen Diskussioen nur von außen (außerdem geht mir die Begeisterung für den ganzen Prunk ab), aber ist ein „endlich ist das weg“ nicht auch ein Hinweis darauf, daß da etwas zwischen Kirche und Menschen stand? Muß man etwas, nur weil irgendwer es zu hohen Kosten angeschafft hat, wertschätzen? Ist man auf das ästhetische Empfinden früherer Generationen festgelegt?
    „Endlich ist das weg“ hört sich für mich an wie: endlich steht das nicht mehr zwischen uns. Endlic werde auch ich angesprochen von einer schlichteren Form.
    In meiner eigenen Kirche ist des öfteren die Rede von einer „edlen Simplizität“. Unsere Kirchen sind recht arm an Bildern, Gottesdienste in traditionellen lutherischen Kirchen (mehr Bilder, mehr Prunk) haben für mich persönlich den Nachteil, daß ich mich da manchmal unwohl fühle, aufgrund der Ablenkung durch das ganze Zeug.
    Da hat vielleicht jeder sein eigenes Empfinden. Aber ich wundere mich ein wenig, daß bei den einen der persönliche Geschmack hinten anstehen soll, während die anderen ihrem Geschmack entsprechende Formen vorfinden können, weil früher mal jemand Geld in die Hand genommen hat.

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    • Heike schreibt:

      Du schreibst von einem Hinweis „daß da etwas zwischen Kirche und Menschen stand“. Wohl nicht generell, denn ich kenne auch viele Leute, für die es eher Hilfe war/ist. Ich kann beides nachvollziehen. Mich ärgert aber die Häme, die da jetzt hoch kommt in Begriffen wie „Brokatfraktion“ etc. – die nicht anerkennen will, dass auch auf diese Weise Liebe und Verehrung ausgedrückt werden können. Tatsache ist doch eher, dass diese Formen lange Zeit in die Schmuddelecke gestellt wurden und immer noch werden. Ich war froh, dass es nun eine kurze Zeit gab, in der auch ihre Berechtigung unüberhörbar klar gemacht wurde. Und schon ist man wieder bei dem Versuch, sie in die Schmuddelecke zurückdrängen zu wollen.
      Ab morgen nehme ich einige Tage an einer Tagung der hochkirchlichen Vereinigung teil. Ich bin sehr gespannt, wie dort die Ausdrucksformen sind. Offenbar gibt es halt immer noch (oder sogar wieder verstärkt) das Bedürfnis nach den Hochformen der Liturgie.

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