Kardinal Lehmann kritisiert den ‚tridentinischen Ritus‘ – Mein Kommentar

Während des Eucharistischen Kongresses hat sich offenbar Kardinal Lehmann kritisch zur außerordentlichen Form des römischen Ritus geäßert – So berichtet heute der Kölner Stadtanzeiger („Kritik am ‚Tridentinischen Ritus'“).

Einiges, was dort zu lesen war, hat mich doch sehr befremdet. Es hieß zum Beispiel, der ‚tridentinische Ritus‘ sei abgeschafft worden und das Verbot teilweise von den beiden letzten Päpsten zurückgenommen worden. Außerdem ist dort zu lesen: „Er halte ‚ein stärkeres Nebeneinander beider liturgischer Formen heute nicht für sinnvoll, auch weil es nicht von unten gewachsen ist‘, sagte Lehmann.“

Zwar halte ich mich sonst von den Kommentarbereichen der Online-Seiten von Zeitungen fern, aber diesmal konnte ich mir einen Kommentar doch nicht verkneifen:

Erstens stimmt es nicht, dass der „tridentinische Ritus“ abgeschafft wurde, was – zweitens – Papst Benedikt im Motu Proprio ‚Summorum Pontificum‘ auch genau so bestätigt hat. Deswegen konnte das ‚Verbot‘ auch – drittens – nicht ‚teilweise‘ wieder zurückgenommen werden. Es gab keines! Der römische Ritus in der außerordentlichen Form hat ein Existenzrecht in der Kirche. Das besagt dieses Motu Proprio.

Außerdem ist es nicht wahr, dass der Zuspruch zu diesen Messfeiern nicht zugenommen hätte. Nach dem Motu Proprio kamen von vielen Seiten Anfragen an z.B. die Petrusbruderschaft. Zum einen von Priestern, die diese Form des Ritus erlernen wollen, zum anderen von verschiedenen Katholiken, die sich eine solche regelmäßige Messe in erreichbarer Nähe wünschen. Und damit kann ich dann auch nicht verstehen, wie man behaupten kann, das Nebeneinander beider Formen sei ’nicht von unten gewachsen‘. Das ist dann kaum zu vermitteln. Im Gegenteil sind häufig Katholiken, die den Wunsch nach der ‚Alten Messe‘ hatten, an der Blockade einiger Bischöfe und anderer relevanter Stellen gescheitert.

Es ist einfach ärgerlich, wie hier Ressentiments aufgebaut und geschürt werden. Die Trennung zwischen dem, was der Kardinal tatsächlich gesagt hat und was aus der Feder des Redakteurs stammt, ist auch nicht so ganz deutlich. Unnötig ist solch eine polarisierende Diskussion auf einem „Eucharistischen Kongress“ allemal.

Zusätzlich hat sich Kardinal Lehmann auch noch zur Übersetzung der Wandlungsworte geäußert: „Da Papst Benedikt XVI. selbst zugestehe, dass beide Übersetzungen theologisch angemessen und legitim sind, sei es ’nicht ganz einzusehen, warum dann strikt nur noch die eine Übersetzung zulässig sein sollte‘.“

Abgesehen davon, dass hier ein Bischof relativ offen den päpstlichen Entscheidungen in den Rücken fällt, könnte man ihn dann im Gegenzug auch fragen: Wenn nicht ganz einzusehen ist, warum dann strikt nur noch eine Übersetzung zulässig sein sollte, dann wäre also auch nicht einzusehen, warum es umgekehrt nur „für alle“ heißen soll? Eine Übersetzung muss jedenfalls im Messbuch stehen. Damit wäre dann für einen Kardinal der Kirche nicht ganz einzusehen, warum man sich strikt ans Messbuch halten sollte. Das wirft schon Fragen auf.

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5 Antworten zu Kardinal Lehmann kritisiert den ‚tridentinischen Ritus‘ – Mein Kommentar

  1. tradi.nl schreibt:

    Originalton Heinz Becker: „Was schwaetzt der dann fa e bleedes zeich? Daed der doch nur emol sei Gosch halle!“

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  2. somuchcoffee schreibt:

    Auch wenn ich in der Sache dem sonst eher strengen Kardinal zustimme, ist es natürlich etwas sonderbar, dass er hier Fakten (kein Verbot!) einfach so ignoriert. Guter Hinweis!

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  3. thomas schreibt:

    Ach Carsten!

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  4. ichwesen schreibt:

    Ich verstand Papst Benedikt XVI eigentlich so, dass die Übersetzung „für die Vielen“ die Angemessene ist. Bischof Lehmann tut so, als hätte Benedikt sich dafür ausgesprochen, dass beide Übersetzungen gleichwertig nebeneinander stehen bleiben sollen. Ich glaube nicht, dass das die Intention unseres Papstes a.D. gewesen ist. Meines erachtens braucht die Messe eine klare und eindeutige Formulierung, und nicht zwei Mögliche an einer so entscheidenen Stelle wie den Wandlungsworten. Weg mit diesem Larifari. Dasselbe gilt für die Uneinheitlichkeit des Kommunionsempfanges entweder auf die Hand, oder vom Priester auf die Zunge gelegt, dass widerspricht dem Wesen kultischer Handlungen und verwässert den Sinn von Liturgie, indem die Art des Empfangs der Hostie häufig den Charakter eines Statements bekommt. Wobei diejenigen, die sich die Hostie in den Mund legen lassen natürlich die Gestrigen sind, und jene, die sich die Oblate selber zum Mund führen natürlich eher „progressiv“ sind. Nervig!

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    • Henrica schreibt:

      Mit der unterschiedlichen Kommunionpraxis habe ich keine Probleme, aber dass in ein und demselben Ritus keine klaren Wandlungsworte zu haben, ist richtig übel. Außerdem ist das Statement des Papstes klar gewesen. Die Bischöfe sind selbst schuld, wenn sie die lange angemahnten Katechesen nicht gehalten haben und stattdessen immer noch mehr zur Verunklarung beitragen.

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