Rückspiegel

Passend zur Reisezeit einen weiteren älteren Text – ca. 2002:

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auto1Bei langen Fahrten auf der Autobahn begegne ich immer wieder den unterschiedlichsten Fahrern. Da sind die Vorsichtigen, die mit konstanten 100 km/h selbst bei freier Strasse sich unbeirrt (mehr oder eher weniger) voranbewegen. Da gibt es andererseits aber auch die Drängler, die mit meist entsprechend großen Autos alles aus der Bahn bugsieren wollen, was nicht ganz so schnell vorankommt wie sie selbst es könnten – wenn eben nur nicht der lästige Vordermann wäre. Eine weitere „Spezies“ unter den Autofahrern hat Mühe damit, wenn sie überholt werden. Andere sind einfach nur unachtsam, abgelenkt, risikofreudig, gedankenlos oder auch unsicher. Jemand hat einmal die Autobahn die „größte offene Psychiatrie“ genannt.

Wer also ohne Karambolagen sicher an sein Ziel gelangen will, kommt nicht umhin, auch die Autofahrer um sich herum abschätzen zu müssen. Auf langen Fahrten habe es ich mir auch zum Zeitvertreib angewöhnt zu überlegen, welcher Fahrer wie fährt. Und dann, wenn ich zum Beispiel überhole oder überholt werde, sehe ich nach, ob ich recht hatte. Wer sind die Leute, die so unsicher vor mir her schleichen? Wer die, die mir bei 150 km/h fast auf der Stoßstange sitzen? Ist es eine Frau, ein Mann? älter oder jünger? Mittlerweile ist meine Trefferquote dabei recht hoch.

Leider kann ich es mir selten verkneifen, immer wieder in den Rückspiegel zu schauen, wenn sich mal wieder ein dicker Wagen an meine Stoßstange heftet. Dann lasse ich mich beeinflussen und trete selbst aufs Gaspedal – lasse mich drängeln. Zwar wäre es meinem Hintermann dann lieber, ich würde einfach zur Seite fahren, aber das wiederum will ich nicht. Nicht selten habe ich durch meine Fixierung nach hinten erst recht spät gesehen, wenn es vorne eben nicht so schnell voran geht, wie ich dachte, oder wenn jemand abbremst. Oft bin ich dabei nur knapp einem Unfall entgangen.

Der Blick nach hinten, oder zur Seite auf die anderen um mich herum hat mich also in Gefahr gebracht, weil er einen zu großen Raum einnahm. Natürlich ist es wichtig, das Umfeld wahrzunehmen, aber wenn es mich von dem ablenkt, was vor mir geschieht, dann wird es gefährlich. Ich muss also vor allem in die Richtung sehen, in die ich mich bewege, sonst kommt es zum Unfall.

Diese Gedanken haben mich bewegt, als ich wieder einmal einige hundert Kilometer Autobahn zu fahren hatte. Es hat mich an einen Satz aus der Bibel erinnert: „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ (Lukas 9, 62). Auch im Leben als Christen kann es also zu „Unfällen“ kommen, wenn der Blick zu sehr auf das gerichtet ist, was hinter mir liegt, oder was andere um mich herum tun, statt nach vorne in die Richtung, in die ich gehen will.

Vor kurzem habe ich eine Jubiläumsveranstaltung in einem Heilsarmeekorps besucht, und dort habe ich etwas ähnliches gehört: Nicht nur Rückblick, sondern vielmehr Ausblick auf das, was Gott noch alles mit uns vorhat. Und vor allem: Blick auf Gott selbst, damit er uns mit seinen Augen leiten kann, wie er es möchte: „Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst; ich will dich mit meinen Augen leiten.“ (Psalm 32, 8)

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