Humanistische Milchmädchenrechnung

Der Humanistische Pressedienst titelt ‚Leere Klöster haben keinen Platz für Flüchtlinge‚ und fordert(!), dass in Klöstern Flüchtlinge aufgenommen werden sollen. Schließlich sei dort viel Platz und sie erhielten ja auch öffentliche Zuwendungen.

Ich konnte mir einen Kommentar nicht verkneifen – auch wenn ich nicht sicher bin, ob er dort überhaupt freigeschaltet wird:

„Per Definition sind Klöster – vor allem kontemplative Klöster wie z.B. die der Benediktiner – nun einmal abgeschlossene(!) Bereiche (wie der Begriff schon vermuten lässt). Im Artikel geht es eben nicht um leere(!) Klöster, sondern um bewohnte Klöster, die aber nicht ‚ausgelastet‘ sind. Ich frage mich, wie Klosterleben möglich sein soll, wenn im selben Gebäude Menschen leben, die sich dem klösterlichen Leben nicht verschrieben haben.

Die Rechnung mit Quadratmetern und Bewohnerzahlen ist eine Milchmädchenrechnung. Da könnte man auch von Alleinstehenden in einer relativ großen Wohnung fordern, sie könnten ja noch 2-3 Flüchtlinge bei sich zuhause wohnen lassen. Platz genug wäre ja.

Und was die Denkmalschutzförderung betrifft. Ich möchte mal sehen, wie man denkmalschutzgerecht Klosterräume in Flüchtlingsunterkünfte umwidmen will. Mir scheint, es gibt hier einige logische Probleme in der Argumentation.“

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25 Antworten zu Humanistische Milchmädchenrechnung

  1. Eugenie Roth schreibt:

    Eine Ordensschwester hat mir dieser Tage nicht erzählt, sondern nur angedeutet, wie es bei ihnen jetzt ist mit den Flüchtlingen im Haus.
    Wenn ich Ordensobere/r wäre, würde ich Flüchtlinge ins Haus einladen, soweit Platz vorhanden, aber ich würde nur Christen nehmen und ansonsten ablehnen. Wie im Beitrag geschrieben ist ein Kloster ein abgeschlossener Raum.

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    • Peter Friedrich schreibt:

      Wer sich selbst bezeichnet als „Christ“ in Abgrenzung zu Anderen, die keine Christen seien, hat sich vom Christentum verabschiedet.
      „…aber ich würde nur Christen nehmen und ansonsten ablehnen. …“ – das ist die Totalsabotage an der Haltung aus bedingungsloser Güte und Mitgefühl, wie sie in zentralen Passagen des Neuen Testamentes deutlich wird.
      Immer wieder wird von „Christen“ die Christenverfolgung beklagt.
      Die Forderung nach dem Nichtbeschädigen und Nichtverletzung von Christen in Krisengebieten ist eine selbstverständliche Sache der Menschenrechte. Das ist jedoch nicht genuin christlich. Im eigentlichen Sinne christlich wäre es dann, den Hintergründen der Menschenrechtsverletzer nachzugehen: Warum ist dieser Mensch derartig böse und verletzend geworden?

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      • Henrica Hannah schreibt:

        Sie schreiben hier von einer „Haltung aus bedingungsloser Güte und Mitgefühl“ und von dem, was „im eigentlichen Sinne christlich“ wäre. Mich würde interessieren, wie Sie zu diesen Erkenntnissen kommen und wodurch diese Sicht des Christentums gestützt bzw. gedeckt wird. In meiner Bibel finde ich da durchaus Abstufungen. Zur Aufforderung jedermann Gutes zu tun gehört nämlich auch die Priorität „allermeist aber an des Glaubens Genossen“.

        Galaterbrief 6, 9-10: „Lasst uns aber Gutes tun und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten, wenn wir nicht nachlassen. Darum, solange wir noch Zeit haben, lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen.

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        • Peter Friedrich schreibt:

          Um die Mitglieder der eigenen Gruppe zu bevorzugen – dazu hätte es eines Christentums nicht bedurft. An dieser Stelle sagt die humanistische Aufklärung völlig zu recht, daß man ja nun gar nicht wissen kann, wie man sich religiös orientieren sollte, bei geschätzten 500000 Göttern, Geistern und Gespenstern, die jeweils strammen Glaubensgehorsam fordern. Für solche Possenspiele bin ich mir zu schade.
          Für mich bedeutet Christentum, daß „Gott“ die Liebe selbst sei, und zwar die personale, mitfühlende Liebe.

          Gruß

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        • Henrica Hannah schreibt:

          Die Frage ist, ob Christentum tatsächlich das ist, was es für sie bedeutet und ob die Frage der Nützlichkeit ein Kriterium für Religion sein kann. Beides ist von der christlichen Lehre nicht gedeckt.
          Die Nächstenliebe und die Feindesliebe sind zwar sehr wesentliche Aspekte, aber keineswegs die einzigen. Die Gottesliebe und Gottesverehrung gehören genauso wesentlich dazu. Es ist nun einmal nur im Gesamtpaket zu haben – mit allen unterschiedlichen Gewichtungen, die es bei den Unterschiedlichen Christen nun einmal gibt. Es bringt wenig, von anderen zu verlangen, sie sollen sich in ihrer Religion auf einen Aspekt beschränken, der dem Umfeld gerade am besten passt.

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        • Peter Friedrich schreibt:

          „…Für mich bedeutet Christentum, daß “Gott” die Liebe selbst sei, und zwar die personale, mitfühlende Liebe. …“ –

          Ihr Zitat: „… die Frage der Nützlichkeit …“

          Auch nach längerem Nachsinnen kann ich hier keinen Zusammenhang finden?!?

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        • Henrica Hannah schreibt:

          Da beziehe ich mich auf Ihren Satz „Um die Mitglieder der eigenen Gruppe zu bevorzugen – dazu hätte es eines Christentums nicht bedurft.“

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  2. jobo72 schreibt:

    Richtig! – Wobei ehemalige Klöster ja tatsächlich bereits (teilweise) als Flüchtlingsunterkünfte genutzt werden (sollen): https://jobo72.wordpress.com/2015/07/14/koelner-klarissenkloster-wird-fluechtlingsunterkunft/

    LG, JoBo

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    • Henrica schreibt:

      Dem hpd geht es – trotz irreführender Überschrift – aber gar nicht um tatsächlich leerstehende ehemalige Klöster, sondern darum, dass in noch genutzten Klöstern und Pfarrhäusern Raum geschaffen werden soll. Die Erschwerung/Verunmöglichung der geistlichen Arbeit und des geistlichen Lebens scheint mir da mehr als nur billigend in Kauf genommen zu werden.

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  3. jobo72 schreibt:

    „Die Rechnung mit Quadratmetern und Bewohnerzahlen ist eine Milchmädchenrechnung. Da könnte man auch von Alleinstehenden in einer relativ großen Wohnung fordern, sie könnten ja noch 2-3 Flüchtlinge bei sich zuhause wohnen lassen. Platz genug wäre ja.“ – Naja, *da* wäre man unter Umständen selbst betroffen. Also: Lieber nicht konsequent zu Ende denken, die eigene Logik, und nie von sich fordern, was man von Anderen (vor allem von „der Kirche“) fordern kann. Oder auch für „die Kirche“, z. B. einen Stopp der staatlichen „Alimentation“: https://jobo72.wordpress.com/2015/06/30/trennung-von-weltanschauungsgesellschaften-und-staat-jetzt/

    LG, JoBo

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    • demoslogos schreibt:

      Und was ist an der Bemerkung zu Alleinstehenden konsequent gedacht? Die Alleinstehenden sind keine weltanschauliche Gemeinschaft, zu deren Grundsätzen es gehört seinen Nächsten so zu lieben wie sich selbst. Die Alleinstehenden sind eine Gruppe von privat Personen, die weder weltanschaulich verbunden sind, noch eine Organisation haben, die den Anspruch hat sich für alle Menschen in Not einzusetzen.
      Die obige Bemerkung zeigt keinen Verstoß gegen die Logik auf. Aber es wundert mich nicht, das ein gläubiger Christ Probleme mit Logik in Bezug auf seine Religion hat, sonst hätten sie schon längst erkannt, das ihr Gott gar nicht die Liebe sein kann. Oder was ist daran logisch, das alle Menschen für ein Vergehen bestraft werden, das zwei Individuen begangen haben, die zum Zeitpunkt der Tat nicht mal in der Lage waren die Konsequenzen ihres Handeln ethisch zu bewerten. Oder wie so ist es logisch, das Christen immer noch auf eine Erlösung hoffen, obwohl sie schon dreimal enttäuscht wurden. Weder sorgte Jesus für die politische Unabhängigkeit, des Israels seiner Zeit, noch kam er zu Lebzeiten seiner Jünger zurück um ein neues Israel zu schaffen, noch schützte die Taufe vor den Übeln der Welt.

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      • Henrica schreibt:

        Die Bemerkung zur Logik bezog sich auf die Argumentation, man bekomme schließlich Geld für den Denkmalschutz der Gebäude. Genaues Lesen hilft ungemein beim Verständnis von Texten.
        Meine Bemerkung bezüglich der Alleinstehenden ist allerdings gar nicht so weit her geholt. Die Klöster sind das Zuhause der Mönche und Nonnen, Brüder und Schwestern, über das man meint, verfügen zu können. Jeder Orden hat eine andere Aufgabe und andere Berufung und setzt sich im je eigenen Feld ein. Man muss sich nicht von erklärtermaßen Außenstehenden vorschreiben lassen, was die einzig christliche Reaktion zu sein hat.
        Wenn Orden Flüchtlinge aufnehmen, ist das bewundernswert und vorbildlich, aber einfordern kann man es nicht – schon gar nicht von außen.

        Was die letzten 2/3 Ihres Kommentars betrifft: Es könnte zum Verständnis helfen, die Bibel genauer zu lesen! Aber das führt jetzt zu weit weg vom Thema.

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        • demoslogos schreibt:

          Die Bibel genauer zu lesen hilft nicht, schließlich ist die Bibel kein Geschichtsbuch, sondern ein weltanschauliches Werk von Christen des 1. bis 3. Jhd., die ihren Glauben in Berücksichtigung den Umständen ausgelegt haben.

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        • Henrica schreibt:

          Na, zumindest könnte man dort Hinweise finden, wie Christen die Taufe tatsächlich sehen und was es mit dem Reich Gottes auf sich hat. Schließlich haben SIE behauptet, Christen glaubten merkwürdige Dinge.

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      • jobo72 schreibt:

        Ich weiß – ehrlich gesagt – nicht, ob es allzuviel Sinn hat, auf einen Kommentar einzugehen, dessen anonyme/r Verfasser/in offenbar der Ansicht ist, Christen meinten oder hätten im Laufe der Geschichte des Christentums irgendwann mal gemeint, sich durch die Taufe „vor den Übeln der Welt schützen“ zu können und seien deswegen zur Ernüchterung verdammt, während sich das kontrafaktische Festhalten am Glauben als unvernünftig erwiesen habe. Ich weiß nicht, woher Sie Ihre Kenntnisse in Bezug auf das Christentum haben, aber ich rate Ihnen bei tieferem Interesse dringend zu einer Überprüfung der Quellen und der Literatur.

        Zur Sache: Ganz allgemein entsteht bei mir (als gläubigem Christen, den man – richtig! – schon deshalb nicht für voll zu nehmen braucht – Danke übrigens, dass Sie unter diesen Umständen trotzdem mit mir Kontakt aufnehmen!) der Eindruck, dass es seitens humanistischer Gruppen, Verbänden oder Einzelpersonen oft an der Autoapplikation öffentlich artikulierter Empörung hapert. Da wird beispielsweise vom HVD die Alimentation der Kirche durch den Staat kritisiert, gleichzeitig finanziert sich der HVD selbst ganz wesentlich aus Steuergeldern. Das kann man heuchlerisch nennen oder einfach unüberlegt. Den Begriff der Logik in diesen Fällen zu verwenden, so habe ich gelernt, steht mir ja als Christ nicht zu.

        Ferner: Handeln kann immer nur der einzelne Mensch, auch innerhalb einer Organisation. Insofern ist es schon vergleichbar, von den Eigentümern leerstehender Immobilien zu fordern, was man von Ordensgemeinschaften oder Pfarreien fordert, wenn deren Immoblien leerstehen (wenn das denn der Fall ist, offenbar geht da auch einiges durcheinander). Der Verweis auf freie Flächen legt diesen Vergleich ja selbst nahe. Hier wie dort müssen entsprechende Beschlüsse gefasst werden, für die einzelne Personen verantwortlich zeichnen. Eine Organisation zum Handeln aufzufordern heißt also immer, Menschen zum Handeln aufzufordern. Abgesehen davon gilt der wichtige Hinweis von Henrica bzgl. des Zuhauses.

        Jetzt komme ich zu dem, wo wir (vielleicht) einen Konsens erreichen können: Menschen, die in der Kirche aktiv sind – als was auch immer – binden sich in besonderer Weise an die lex nova Jesu. Darauf verweisen Sie völlig zu Recht. Wie weit diese gebotene Liebe im Einzelfall gehen soll, ist sicher eines der umstrittensten Fragen der christlichen Ethik (in der auch Vernunft, Klugheit, Besonnenheit, Demut und das Gewissen eine Rolle spielen). Was die christliche Liebe umfasst, ist wiederum glasklar: Liebe zu Gott, Liebe zum Nächsten und Liebe zu mir selbst. In diesem Dreiklang ist Harmonie herzustellen. Wann diese erreicht ist, ist, wie gesagt, umstritten. Je nach Ordensgemeinschaft, je nach spiritueller Ausrichtung, aber selbstverständlich auch nach dem, was der einzelne Christ für sich in seinem Gewissen als Ausdruck der Liebe empfindet, wird es unterschiedliche Verhältnisbestimmungen geben. Und damit auch unterschiedliche Herangehensweisen an die Flüchtlingsthematik.

        Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung sagen (ich habe über die Fokolarbewegung in Berlin guten Kontakt zu Kopten und ich lebe in einer katholischen Pfarrei, die ihre Räume der syrischen Gemeinde für soziale Zwecke zur Verfügung gestellt hat und nun auch permanent einen Flüchtling aufnehmen will), dass es einerseits extrem bereichert und auch in einem tiefen Sinne glücklich macht, verfolgten Christen ganz konkret helfen zu können (im Gebet können wir das immer), andererseits aber auch Flexibilität erfordert, die entstehenden Spannungen immer wieder aufzulösen, Mentalitätsunterschiede zu ertragen etc. Ich kann nur allen Gemeinden und Ordensgemeinschaften raten (bzw. denen, die dort aktiv sind), sich für Flüchtlinge offen zu halten und hilfsbereit zu zeigen. Fordern kann ich es selbstverständlich nicht. Ich bin ja schließlich auch kein Humanist.

        LG, JoBo

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        • demoslogos schreibt:

          Verbände wie der HVD kritisieren die Alimentation der Kirche durch den Staat, weil man dort der Meinung ist das man diese nicht besonders unterstützen sollte, da diese Alimentation nun mal existiert, ist es nachvollziehbar das z.B. der HVD genauso behandelt werden will, wie die Kirche, sonst würde er sich doch selbst benachteiligen, auch Humanisten können pragmatisch sein. Das Problem ist eben die unterschiedliche Alimentation der Kirche in Deutschland, gegenüber anderen weltanschaulichen Vereinen. Bevor sie auch nur Heuchelei in Erwägung ziehen, sollten sie mal prüfen ob der HVD denn sagt, das er alimentiert werden soll, aber die Kirchen nicht.
          Es ist richtig das letztendliche einzelne Menschen handeln, aber eine Gruppe von Menschen die gleiche Merkmale haben, sind noch lange keine Organisation. Und der Sinn einer Organisation besteht u.a. gerade darin, das nicht jeder Mensch einzeln angesprochen werden muss.
          „Wie weit diese gebotene Liebe im Einzelfall gehen soll, ist sicher eines der umstrittensten Fragen der christlichen Ethik (in der auch Vernunft, Klugheit, Besonnenheit, Demut und das Gewissen eine Rolle spielen).“ Ihr Christen habt also auch keine Ahnung in Sachen Ethik und wieder ein Punkt bei dem die Wahrheit mehr Fragen offenlässt als sie beantwortet. Meiner Meinung nach misst der HVD die Kirchen nur an dem Maßstab den sie selber an sich anlegen. Wenn die Nächstenliebe so ungenau definiert ist, das nach zwei Jahrtausenden darüber sinnieren, die Frage nach den konkreten Handlungen immer noch einer der „umstrittensten“ ist, dann kann man dem HVD auch keinen Vorwurf machen. Mit dem Konzept der Nächstenliebe wecken Christen hohe Erwartungen. Würden die Kirchen endlich eingestehen, das es sich bei der Wahrheit um ein vollständiges Geheimnis handelt, dann würden auch die, aus christlicher Sicht überzogenen, Forderungen anderer Weltanschauungen aufhören.
          Natürlich sind sie als Christ so demütig und fordern nicht direkt„sich für Flüchtlinge offen zu halten und hilfsbereit“, letztendlich fordern sie es mit ihrem Bekenntnis doch oder wollen sie mir erzählen das selbst in Bezug auf eine so gut organisierter wie die Kirche, die auch noch mit gutem Beispiel vorangehen soll, nicht klar ist was man von ihr fordern kann.
          Meine Quelle ist Kurt Flasch. Wenn sie meinen die historische-kritische Methode wäre untauglich, dann frage ich sie wie ihr Christen eigentlich verifiziert habt das die Offenbarung von Gott stammt. So lange das das nicht offengelegt ist, ist die historische-kritische Methode die beste die wir haben.

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        • Henrica schreibt:

          Mir scheint, sie werfen hier den Christen vor, Glaube und NächstenLIEBE nicht in ein einklagbares Regelwerk gepackt zu haben. Aber Christsein erschöpft sich nun einmal nicht in Definitionen und Regeln, auch wenn diese nicht unwichtig sind. Es geht um eine Lebens(!)weise und die Beziehung zu Gott! Ich hoffe, Sie legen dieselbe Messlatte nicht auch an andere Beziehungen an. (Ich hätte nie gedacht, dass man der Kirche auch mal ein ‚zu wenig‘ an Reglementierung vorwerfen würde)

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        • jobo72 schreibt:

          I.) „Verbände wie der HVD kritisieren die Alimentation der Kirche durch den Staat, weil man dort der Meinung ist das man diese nicht besonders unterstützen sollte, da diese Alimentation nun mal existiert, ist es nachvollziehbar das z.B. der HVD genauso behandelt werden will, wie die Kirche, sonst würde er sich doch selbst benachteiligen, auch Humanisten können pragmatisch sein. Das Problem ist eben die unterschiedliche Alimentation der Kirche in Deutschland, gegenüber anderen weltanschaulichen Vereinen.“
          Naja, es ist natürlich auch die Frage, welcher Rechtsgrund für Zahlungen vorliegt. Die Rechtsgründe der Zahlungen an die Kirchen und an den HVD sind jedenfalls schon mal ganz unterschiedlich: bei der Kirche sind es Verträge von höchstem Rang, die etwa die verhassten Dotationen verbriefen, beim HVD – ja, was eigentlich? Der Berliner Senat konnte jedenfalls noch nie nachvollziehbar erklären, warum er – als er noch rot-rot geführt wurde – dem HVD das Geld in den Rachen gestopft hat, so dass dieser am Ende über 90 Prozent seiner Einnahmen aus dem Steuertopf erhielt.
          Was die staatliche Alimentierung angeht, gibt es denn auch ganz erhebliche Unterschiede zwischen HVD und Katholischer Kirche – zugunsten des HVD. Klingt komisch, ist aber so. Beispiel: Berlin-Brandenburg. Dort gilt (vgl. https://jobo72.wordpress.com/2015/06/23/das-geld-der-anderen/):
          1. Die Humanisten finanzieren ihren Verband zu 3 Prozent, die Katholiken zu 56 Prozent aus der eigenen Tasche.
          2. Von dem Geld, das Humanisten über Mitgliedsbeiträge in ihren Verband stecken, wird 100 Prozent für weltanschauliche Aufgaben eingesetzt, 0 Prozent für gesamtgesellschaftlich relevante sozial-karitative und edukative Aufgaben. Von dem Geld, das Katholiken über die Kirchensteuer in ihren Verband stecken, wird 66 Prozent für weltanschauliche Aufgaben eingesetzt, 34 Prozent für gesamtgesellschaftlich relevante sozial-karitative und edukative Aufgaben.
          3. Die Humanisten erhalten ihre Arbeit zu 79 Prozent vom Staat bezahlt, die Katholiken zu 35 Prozent.
          4. Die Humanisten bekommen auch ihre weltanschauliche Arbeit weitgehend vom Staat bezahlt, die Katholiken hingegen gar nicht.
          5. Die Humanisten können Rücklagen bilden, die Katholiken müssen Rücklagen auflösen.
          „Humanistischer Pragmatismus“ ist es dann also, sich über die Kirche aufzuregen, weil diese den Staat dafür bezahlt, dass er ihr beim Kirchensteuereinzug behilflich ist? Na, prima! Zum Glück bin nur ich der mit den Logik-Problemen. Ansonsten: Wenn es nicht heuchlerisch ist, mit der einen Hand auf Andere zu deuten, weil sie kassieren, und mit der anderen selbst zu kassieren, dann ist es – in meinen Augen – zumindest unglaubwürdig.

          II.) „Ihr Christen habt also auch keine Ahnung in Sachen Ethik“
          Also, zur Ethik. Über viele ethische Grundbegriffe wird seit (mind.) 2500 Jahren nachgedacht und gestritten: Freiheit, Gerechtigkeit, Glück, Liebe. Das Christentum leistet dazu seinen (ganz erheblichen) Beitrag, aber von der Kirche einen endgültigen, von allen Menschen akzeptierten Handlunsgsanweisungskatalog für jede mögliche Lebenssituation zu erwarten, ist eher… naja, ich möchte Niemanden beleidigen, aber schon eher pietistisch. Oder eben „Katholizismus, 19. Jahrhundert“. Ich bin katholisch und lebe im 21. Jahrhundert, insofern hege ich eine gewisse Skepsis gegen pietstische Gebotsmoral des 18. Jahrhunderts einerseits und andererseits katholischen Objektivismus des 19. Jahrhunderts (auch, wenn dieser manchmal wieder gute moralische Orientierung bietet – gerade heute).
          Ich finde es übrigens etwas eigenartig, nur demjenigen „Ahnung in Sachen Ethik“ zuzubilligen, der klare moralische Anweisungen erteilt. Da fallen mir doch einige (historische) Einrichtungen ein, die zwar Ihre Bedingung genau erfüllt haben, aber dennoch moralisch (und auch moraltheoretisch) heute zu Recht kritisch gesehen werden. Vielleicht verstehe ich Sie aber auch falsch – korrigieren Sie mich ggfs.
          Die Wahrheit ist für die Kirche kein Geheimnis, sondern eine Person: Jesus. Dennoch ist Sein Leben, Sterben und Auferstehen ein „Geheimnis des Glaubens“. Das bleibt es auch, denn im Unterschied zum Rätsel lässt sich ein Geheimnis nie auflösen. Kerngedanke der christlichen Ethik ist daher die weitestgehende Orientierung an einer geheimnisvollen Ethik, nämlich an der Liebesethik Jesu Christi, wohlwissend, dass es keinem Menschen gelingt, diese in jeder Situation zu verwirklichen, weil der Mensch ein potentieller „moralischer Versager“ ist. Dafür hat die Kirche ein eigenes Sakrament, das Sakrament der Versöhnung, eingerichtet. Dafür erinnert sie an Menschen, denen die Imitatio Christi ganz gut gelang, so genannte Heilige. Also: Die Kirche tut einiges, um die Glläubigen (immer wieder neu) auf die Liebe einzuschwören.
          Ich halte es daher übrigens keineswegs grundsätzlich für falsch, einen Christen an das Liebesgebot zu erinnern. Nur ist das umso überzeugender, je mehr man merkt, wie sehr derjenige, der mahnt, sich selbst dem Liebesgebot verpflichtet weiß. Die wirkungsvollsten Mahnungen habe ich übrigens von Menschen nicht via Forderung, sondern durch Beispiel erhalten.

          III.) Und zu Flasch: Ich schätze Flasch als Mediävisten und Eckhart-Autor (Seine Lesart ist umstritten, aber nicht uninteressant: https://jobo72.wordpress.com/2013/04/28/philosophie-nicht-mystik-kurt-flasch-uber-meister-eckhart-3/), aber, sollte er je behauptet haben, die Taufe diene quasi zur Verabreichung eines Schutzschilds gegen Erkältungskrankheiten, Sonnenbrand und Nachbarn, die bis in die Morgenstunden laute Partys feiern, dann liegt er – bei allem Respekt vor seiner Lebensleistung – ziemlich grob falsch. Wenn Sie Zeit und Lust haben: Suchen Sie mir doch bitte die Stelle raus, an der Flasch die Taufe so einordnet. Das interessiert mich brennend.

          Ansonsten ist es sehr spät geworden und ich möchte auch nicht über jedes Stöckchen springen, dass Sie mir hinhalten (historisch-kritische Methode, Gottesbeweis). Sollten Sie gehört haben, dass man damit „gläubige Christen“ aus der Bahn werfen kann, so muss ich Sie enttäuschen. Aber das sind schon sehr abseitige Themen, die ich hier nicht vertiefen möchte. Ich verabschiede mich aus der Diskussion.

          LG, JoBo

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  4. Georg's Glauben schreibt:

    Besonders nachdenklich macht mich dieser Satz in diesem Beitrag:
    „Die Rechnung mit Quadratmetern und Bewohnerzahlen ist eine Milchmädchenrechnung. Da könnte man auch von Alleinstehenden in einer relativ großen Wohnung fordern, sie könnten ja noch 2-3 Flüchtlinge bei sich zuhause wohnen lassen. Platz genug wäre ja.“

    Er erinnert mich daran, dass zu Nachkriegszeiten Flüchtlinge nicht in Heimen sondern bei Familien und privaten Wohnungseigentümern untergebracht wurden. Damals wurden die Menschen verpflichtet, Flüchtlinge aufzunehmen. Die Menschen mussten damals viel schlimmere Einschränkungen auf sich nehmen als heute. Dies dürfen wir bei diesem Thema nicht vergessen.

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    • Henrica schreibt:

      Es ist aber nicht Sache eines ‚Pressedienstes‘ – welcher ideologischen Ausrichtung auch immer – über das Zuhause Anderer zu verfügen.

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      • Georg's Glauben schreibt:

        Natürlich nicht. Aber der Staat könnte dies, falls das notwendig würde. In diesem Fall war der Beitrag des HPD ja offensichtlich ideologisch ausgerichtet. Man wollte damit katholische Klostergemeinschaften speziell in einer „Verantwortung“ treffen, die allerdings eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist.

        Uns bleibt aber auf der anderen Seite die Frage, inwieweit wir alle bereit sind, Notleidenden zu helfen. Ihnen ein Gastgeber zu sein. Viele Christen, darunter viele Katholiken, kümmern sich bereits jetzt schon um Fremde, die bei uns ankommen.

        Fremde beherbergen ist ein Werk der Barmherzigkeit. Dazu sind wir als Christen berufen!

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        • Henrica schreibt:

          Das sehe ich ganz genau so. Andererseits gibt es unterschiedliche Berufungen und Befähigungen. Es kann nicht jeder alles tun. Aber oft wird der soziale Einsatz als einzig akzeptierte christliche Äußerung gesehen. Dagegen verwahre ich mich entschieden. Funktionieren kann es nur in der gegenseitigen Ergänzung.

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        • Georg's Glauben schreibt:

          Vollkommen richtig! Deshalb kann es auch nur eine „gesamtgesellschaftliche“ Lösung geben. Sie kann nicht Einzelnen oder bestimmten Gemeinschaften aufgebürdet werden. Die Situation, dass der Staat – nur er kann dies (!) – die Aufnahme von Flüchtlinge privaten Einzelpersonen oder Gemeinschaften verpflichtend vorschreibt, muss deshalb vermieden werden.

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  5. emmauspilger schreibt:

    … und warum Christen aus ihrer Heimat fliehen müssen, wird weitgehend hingenommen und ignoriert. Gerade mit dem IS scheint sich die „Weltgemeinschaft“ schon gedanklich zu arrangieren. Schließlich wird er ja bereits als feste Größe in den militärischen Strategien eines NATO-Staates miteinbezogen (Türkei gegen Kurden).

    Es stehen in den Städten auch einige Gebäude leer, weil sie als Abschreibungs- oder Spekulationsobjekte dienen. Diese sollen aber wohl linken Hausbesetzern vorbehalten sein.

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  6. Susann schreibt:

    Ich halte das Vokabel „fordern“ für sehr unglücklich, egal, von welcher Seite es kommt – und in den letzten Wochen habe ich dieses „fordern“ in Zusammenhang mit den unterschiedlichsten weltanschaulichen Gruppierungen gelesen: Rote, Grüne, Bischöfe, Pro Asyl, bayerische Politiker…sie alle „forderten“ irgendetwas. Nun bedeutet „fordern“ ja einfach nur lautstark irgendetwas wollen, völlig abgesehen von Sinnhaftigkeit oder Machbarkeit. Hauptsache, man „fordert“. Insofern disqualifiziert sich für mich der Forderer mit seinem Anliegen von Vornherein, weil meist jegliche Überlegung zur Umsetzbarkeit fehlt. So auch in diesem Fall. Einfach Klappe auf und irgendetwas wollen…was für ein armseliges Konzept.

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