Emanzipiert von der Gleichmacherei

Ich habe ja immer behauptet, ich sei eine 3-K-Frau. Allerdings weniger ‚Kinder, Küche, Kirche‘ und mehr ‚Kaffee, Katze, Kabelfernsehen‘. In das traditionelle Rollenbild will ich nicht ganz hinein passen. Dennoch bin ich nicht glücklich über die Entwicklungen in Gesellschaft und Politik, die gezielt umerziehen wollen zu einer größtmöglichen Nivellierung der Geschlechter. Aber gleichwertig ist nun nicht zwingend auch gleichartig.

Ich denke, als emanzipierte Frau muss ich mir nicht von Männern sagen lassen, wie ich zu sein habe – und auch nicht von Frauen (auch wenn es nur ‚zu meinem Besten‘ sein sollte). Auch als emanzipierte Frau kann ich Frau sein und muss nicht zum besseren Mann werden.

Dr. Kristina Schröder MdB, die ehemalige Familienministerin, hat zu diesem Thema einen erhellenden Beitrag geschrieben:

Freiheit statt Gleichheit! Auch für die Geschlechter

Zitat:
„Es ist immer die böse Gesellschaft, es sind immer strukturelle Diskriminierungen, es sind immer veraltete Rollenbilder, mit denen Ungleichheiten erklärt werden. Dass auch der freie Wille von Frauen und Männern mal wirklich entscheidend sein könnte, das finde ich in Texten der Gendertheorie fast nie. Geschweige denn den ernsthaften Versuch, die eigenen Grundannahmen zu falsifizieren.“

 

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6 Antworten zu Emanzipiert von der Gleichmacherei

  1. Peter Friedrich schreibt:

    Hallo!

    Ich hätte eine Frage an Sie wegen des
    Umgangs von kirchlicher Seite mit dem
    Thema der Geschlechtergerechtigkeit. Wie
    auch immer man sich abarbeitet an
    Gender/Nichtgender, an Bildungsplänen
    oder „Demos für alle“, bei allem
    Verständnis oder Nichtverständnis, so
    würde mich eher Ihre Ansicht zur
    praktischen Umsetzung der einschlägigen
    Thematik interessieren.
    So wurde eine Transgender-Person im
    „Stern“ unter dem Titel „Das richtige
    Leben im falschen Körper“ interviewt, am
    28.11.2015, daraus folgendes:

    “ … Mittlerweile zählt die Polizei 29
    ermordete Transgender allein in diesem
    Jahr in den USA. Erleben Sie selbst, dass
    man Ihnen mit Abscheu begegnet? Werden Sie
    bedroht?
    Morde sind leider an der Tagesordnung.
    Besonders schwarze Transgender, wie ich es
    bin, werden gejagt. Wer mich attackiert,
    befriedigt ja auf einen Schlag gleich zwei widerliche Wesenszüge: Homophobie und Rassismus. Ich bin in dieser Logik das perfekte Opfer.

    Also gibt es Situationen, in denen Sie in Gefahr sind?
    Ich würde es nicht direkt Gefahr nennen.
    Aber ich fühle mich oft unwohl. Nachts in der U-Bahn zum Beispiel. Oder wenn mich Wildfremde fragen: „Hast du einen Penis oder eine Vagina?“

    Wie reagieren Sie auf solche Fragen?
    An guten Tagen sage ich: „Warum fragen Sie
    mich nicht erst mal, wie es mir geht oder
    wie ich heiße?“ An schlechten strecke ich
    meinen Mittelfinger aus. Es geht niemanden
    etwas an, ob ich einen Penis oder eine
    Vagina habe.

    Die Suizidrate unter Transgendern ist hoch.
    So hoch wie in sonst keiner Gruppe. Sie
    liegt bei fast 50 Prozent. Viele bringen
    sich um, weil sie den Druck, weil sie sich
    selbst nicht aushalten. Auch die
    Arbeitslosenquote ist erschreckend. Die
    Armut. Die Obdachlosigkeit. Warum ist das
    so? Weil Menschen, die sich zu einer
    anderen Sexualität bekennen, immer noch
    ausgegrenzt werden.

    Dennoch scheint Amerika anderen Ländern
    weit voraus zu sein. Für die Rolle als
    transsexuelle Gefangene in der Serie
    „Orange is the new black“ wurde der
    Transgender Laverne Cox für einen Emmy
    nominiert. New Yorks Bürgermeister
    plädiert dafür, das Geschlecht auf
    Geburtsurkunden ohne operative Umwandlung
    ändern zu können. Den Besuchern des Weißen
    Hauses steht neuerdings eine
    „genderneutrale“ Toilette zur Verfügung.
    Es geht voran, das stimmt. Und Amerika hat
    sicher eine Vorreiterposition. Aber in
    vielen islamischen Staaten werden
    Transgender heute noch mit dem Tod bestraft.

    Wenn Sie auf die Toilette müssen, benutzen
    Sie dann das Damen- oder das Herrenklo?
    Ich vermeide öffentliche Toiletten, wann
    immer es geht, weil ich keine Anfeindungen
    provozieren möchte. …“

    Erste Frage dazu: Auf welche Toilette
    sollte denn nun nach kirchlicher Meinung dieser
    betreffende Mensch gehen?
    Zweite Frage: Inwieweit läßt sich das
    grausame Schicksal dieses Menschen in
    Verbindung bringen mit der – durchaus
    pauschalisierenden – Begrifflichkeit des
    (Gender-)“Wahnsinns“, wie er aus dem
    Umfeld der Bildungsplangegner wiederholt
    ins Spiel gebracht wurde?
    Danke für Ihre Antwort!

    Mit freundlichen Grüßen
    Peter Friedrich

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    • Henrica Hannah schreibt:

      Zum einen ist die Kirche keine Expertin in der Frage, auf welche Toilette jemand gehen soll. Dazu hat sie sich lehramtlich auch nicht geäußert, soweit ich weiß. Biblisch gibt es immer den Rat, wo möglich nicht Anstoß zu erregen.

      Es gibt den Unterschied zwischen dem Umgang mit einzelnen Menschen und Grundsätzen für eine ganze Gesellschaft. Man kann gleichzeitig respektvoll mit Menschen umgehen, die anders sind und dennoch dafür eintreten, dass nicht ganze Generationen in ihrer Identität destabilisiert werden, die nun einmal grundsätzlich auch auf der Zweigeschlechtlichkeit aufbaut. Hier steht Ideologie gegen Kindeswohl.

      Ich bin dafür, die Realitäten anzuerkennen. Realität ist, dass Männer und Frauen im Normalfall unterschiedlich ticken. Realität ist auch, dass das für einige wenige so nicht passt. Eine Gesellschaft muss meiner Meinung nach dafür sorgen, dass niemand aufgrund seines Andersseins angegriffen wird, aber sie kann dafür nicht ihr eigenes Koordinatensystem ideologisch umbauen.

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  2. Peter Friedrich schreibt:

    Danke für Ihre Antwort!
    Ich selber erkläre es nicht zur „Ideologie“ sein, wenn ich einen Menschen FRAGE, was für ihn selbst richtig ist.
    Jeder mag – für sich selbst! – seine existentielle Identität an seiner Vorstellung von Geschlechtlichkeit festmachen, sein (religiöses) Weltbild stützen auf die für ihn richtige Rolle in einer von ihm angenommenen rein bipolaren Geschlechterwelt.
    Es gibt allerdings Menschen, die das alles ganz anders sehen, die etwa partnerschaftliche Liebe nicht daran festmachen, inwieweit die jeweiligen Partner einen Penis oder eine Vagina tragen (und in deren religiösem Bezug ebenfalls das Thema Penis oder Vagina bei wemwiewas keine Rolle spielt!), und die genauso ein Recht auf ihr jeweiliges Weltbild haben wie alle anderen auch.
    Jedoch wirkt nun die „christliche“ Lobby durchaus massiv auf die Politik (neuestes Beispiel Slowenien) ein, etwa, um Nichtheterosexuellen die ZIVIL-Ehe unmöglich zu machen (was übrigens durch die andere Eintragung in den Ausweisunterlagen eminente Bedeutung haben kann bei der beruflichen Bewerbung oder bei Auslandsreisen!). JEDER Bürger soll also bis in sein Intimleben hinein beherrscht sein von EINER ganz bestimmten religiösen Ideologie, auch wenn sein jeweiliger Lebensentwurf völlig anders gelagert sein mag.

    Gruß

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  3. Henrica Hannah schreibt:

    Nun, es ist das Wesen jedweder Lobby, dass sie Einfluss nehmen will. Das will die Lobby der Atheisten, der Gender-Befürworter und wer auch immer ebenfalls – nicht weniger massiv. So funktioniert nun einmal unser demokratisches System.
    Außerdem gibt es nun einmal die Spannung zwischen den individuellen Interessen und den gesellschaftlichen Interessen. Niemand hat gesagt, dass es einfach ist, da die richtige Gewichtung zu finden. Sie einseitig zugunsten einer einzigen Richtung aufzulösen, kann nicht die Lösung sein.

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    • Peter Friedrich schreibt:

      Nochmals schönen Dank für Ihre Antwort, zumal sich hier für mich ein lang ersehnter Verständnisgewinn auttun könnte!
      Wenn Sie einverstanden sind, können wir bei dem eben von mir angeschnittenen Beispiel bleiben und es in Bezug zu Ihrer Replik setzen?
      Ich hatte ja darauf verwiesen, daß – beispielsweise jetzt in Slowenien – offenkundige Lobbyarbeit kirchlicher Organisationen dazu führt, daß JEDER Bürger des gesamten Landes sein persönlichstes Leben, wo es sich in der ZIVILEN Ehe ausdrücken mag, nur nach Maßgabe des ganz bestimmten Weltbildes genannter kirchlicher Institutionen gestalten soll – völlig unabhängig vom Lebensentwurf jener Bürger, die eine gänzlich andere Sicht auf die Dinge haben.
      Wo nun wirkt eine Lobby der Atheisten oder „Gender-Befürworter“ „nicht weniger massiv“(!) in die Gestaltung des persönlichsten, partnerschaftlichen Lebens anderer Bürger ein?

      Gruß

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