Unge(b)ahnte Wege gehen

Schwanberg(09)„Warum denn das jetzt schon wieder?“ Diese Frage begegnet mir in der letzten Zeit in unterschiedlichen Formulierungen immer wieder. Daraus spricht Unverständnis, Sorge, Irritation und Überraschung über meinen Weg in die Hochkirchliche St. Johannes-Bruderschaft, die ich gut nachvollziehen kann. (Und ehrlich gesagt schätze ich die Aufrichtigkeit dahinter sehr).

Nachdem ich nach 17 Jahren in Freikirchen im Jahr 2005 wieder in die kath. Kirche zurückgekehrt bin, kann ich die Befürchtung nachvollziehen, dass sich da eventuell der nächste Konfessionswechsel anbahnen könnte. Nein, er bahnt sich nicht an! Ich habe – und behalte – meine Verortung in der kath. Kirche. Das hat aber noch nie bedeutet, dass ich alle anderen Prägungen wegschieben würde. Sie sind Teil des Weges, den Gott mit mir gegangen ist.

Die Trennungen und Spaltungen in der Christenheit sind für mich nicht nur theoretisch eine offene Wunde. Es wäre einfacher, diese Spannung in Richtung Beliebigkeit einerseits oder Selbstgenügsamkeit andererseits aufzulösen. Aber es muss eben auch Christen geben, die diese Spannungen aushalten um der Einheit willen. Umso schöner, wenn man dann entdeckt, dass es auch noch andere Christen / Gemeinschaften gibt, die bewusst in diesen Riss treten – mit allen Spannungen die das nun einmal mit sich bringt. Noch schöner, wenn diese Begegnung zustande kommt, ohne dass man danach gesucht hätte.

Mehr, als erwartet

Ein bisschen unvernünftig ist es ja schon, ‚mal eben‘ an einem Wochenende insgesamt über 700 Kilometer zu verfahren – und dazwischen ein volles Programm mit hoher Liturgiedichte und intensiven thematischen Arbeitseinheiten. Das hatte mich jedenfalls erwartet, als ich am vergangenen Wochenende als Gast zu einer Novizentagung der St. Johannes-Bruderschaft nach Thüringen gefahren bin. Natürlich wusste ich, es würde anstrengend sein, aber insgesamt habe ich dann doch deutlich mehr zurück bekommen.

Die erste Überraschung war, dass mir ein riesiges Zimmer zugeteilt wurde. Nicht, dass ich besonders viel Zeit darin hätte verbringen können, aber es hat gut getan, jede Menge Platz zu haben. Die Aussicht aus dem Fenster und die ganze Gegend war auch genial.

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Es war natürlich schön, einige sehr geschätzte Leute wieder zu treffen, die ich kurz nach Ostern kennengelernt habe – fast, als wären es nicht bereits wieder einige Monate her. Es tut gut, einfach mal ohne „Fremdeln“ zu sein. Dasselbe galt für die sehr interessanten und spannenden thematischen Einheiten und für die Liturgie. Manches war zwar unbekannt, aber nichts wirklich fremd.

Ja, das Wochenende war wirklich sehr anstrengend. Trotzdem bin ich heute allenfalls rechtschaffen müde, aber nicht ausgepowert. Im Gegenteil! Hätte gern mehr davon…

Heiligenstadt2013 (06)

„Dass alle eins seien…“ – Offenheit

Gestern bin ich von sehr spannenden Tagen in Marburg zurück gekommen. Ich durfte mit einigen Anderen als Gast teilnehmen an einem Treffen der Hochkirchlichen St. Johannes-Bruderschaft. Dass ich hier keinen detaillierten Bericht abgebe, versteht sich von selbst. Uns Gästen ist man dort jedenfalls mit sehr großer Offenheit und Herzlichkeit begegnet.

Neben einer großen „Liturgiedichte“ waren die Tage geprägt von vielen Gesprächen und viel Austausch (Nachtschlaf wird definitiv überbewertet! 😉 ). Es hat mir sehr gut getan, die Offenheit zu sehen, mit der unterschiedlichen Zugängen begegnet wurde.

Dabei habe ich an manche Frömmigkeitsformen gedacht, mit denen ich mich bei und nach meiner Rückkehr in die kath. Kirche auseinandersetzen mußte. Es ist mir ein Herzensanliegen, im ökumenischen Miteinander genau diesen respektvollen Weg zu gehen, der Unterschiede zu verstehen sucht, ohne sie vorschnell einebnen zu wollen – auf der Suche nach einem gemeinsamen Weg in Wahrheit, Respekt und Verständnis. Es war schön, Gleichgesinnte zu treffen! Für mich ein unverdientes Geschenk, das ich genossen habe. Ganz nebenbei habe ich auch noch ziemlich viel Interessantes gelernt (Neugier lässt grüßen 😉 ).

(Und ehe sich jetzt jemand berufen fühlt, mich von einer vermuteten rosa Wolke wieder herunterzuholen: Natürlich bin ich mir im Klaren darüber, dass es überall menschelt – aber in diesen Tagen hat’s halt einfach mal gepasst)

Und weil ich mir schon seit Langem Gedanken über diese Dinge mache, habe ich hier mal ein paar Postings von mir verlinkt, die ich zu diesem Thema bereits geschrieben habe:

Meine Gedanken zum allgemeinen ökumenischen Miteinander… :

…und zu einzelnen („katholischen“) Frömmigkeitsformen…:

Ich gehe mal davon aus, dass ich mich demnächst auch noch mit weiteren Themen in diesem Umfeld auseinandersetzen werde.