Unge(b)ahnte Wege gehen

Schwanberg(09)„Warum denn das jetzt schon wieder?“ Diese Frage begegnet mir in der letzten Zeit in unterschiedlichen Formulierungen immer wieder. Daraus spricht Unverständnis, Sorge, Irritation und Überraschung über meinen Weg in die Hochkirchliche St. Johannes-Bruderschaft, die ich gut nachvollziehen kann. (Und ehrlich gesagt schätze ich die Aufrichtigkeit dahinter sehr).

Nachdem ich nach 17 Jahren in Freikirchen im Jahr 2005 wieder in die kath. Kirche zurückgekehrt bin, kann ich die Befürchtung nachvollziehen, dass sich da eventuell der nächste Konfessionswechsel anbahnen könnte. Nein, er bahnt sich nicht an! Ich habe – und behalte – meine Verortung in der kath. Kirche. Das hat aber noch nie bedeutet, dass ich alle anderen Prägungen wegschieben würde. Sie sind Teil des Weges, den Gott mit mir gegangen ist.

Die Trennungen und Spaltungen in der Christenheit sind für mich nicht nur theoretisch eine offene Wunde. Es wäre einfacher, diese Spannung in Richtung Beliebigkeit einerseits oder Selbstgenügsamkeit andererseits aufzulösen. Aber es muss eben auch Christen geben, die diese Spannungen aushalten um der Einheit willen. Umso schöner, wenn man dann entdeckt, dass es auch noch andere Christen / Gemeinschaften gibt, die bewusst in diesen Riss treten – mit allen Spannungen die das nun einmal mit sich bringt. Noch schöner, wenn diese Begegnung zustande kommt, ohne dass man danach gesucht hätte.

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4 Antworten zu Unge(b)ahnte Wege gehen

  1. Udo Beucker schreibt:

    Ja, genau das ist es! Die Konfession allein – auch die rk o. orth. behaupten natürlich alle, sich selbst zu genügen. Doch sehen alle auch, dass das nicht stimmt. Man kann nun die anderen alle zu Abgefallenen, Häretikern und Ketzern verteufeln. Was ist gewonnen? Ich stehe auf den Gräbern meiner Brüder. Ist das ein guter Ort, auf Leichen stehen, die man selber gemacht hat? – Darum „hochkirchlich“ – keine Konfession, sondern Evangelische Katholizität mit orthodoxer Liebe. So ist jeder mit seinen Gaben willkommen, notwendig für die Einheit des EINEN Leibes Christi in den Mysterien (westkirchl. „Sakramente“) und die Verschiedenheit wird fruchtbar für alle, und alle dürfen ihre Schwächen, Fehler, Einseitigkeiten, polemischen Abhängigkeiten sehen und loslassen. Die Orientierung wird neu ausgerichtet an der Kirche, an dem was „zu allen Zeiten, von allen, überall geglaubt wurde“ V.v.Lerinum – es bleibt offen für jeden, der offen ist für den Reichtum Gottes mit seinen Kindern. Wer nur seine eigene Wahrheit sucht und für sich wissen will, wäre hier falsch.

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  2. DieTheologin schreibt:

    Hat dies auf Tagebuch einer ehemaligen Pfarrerin rebloggt und kommentierte:
    Noch jemand, der geistlich auf eher ungeraden Pfaden dahinstolpert. Bei mir setzt sich die Erkenntnis durch: Egal, in welcher Konfession ich meinen Glauben versuche zu leben, echte Heimat wird mir vermutlich keine Kirche jemals werden. Ich dachte immer, meine unkirchliche Sozialisation wäre sozusagen „überwunden“. Aber je älter ich werde merke ich: Ich habe einfach in keiner kirchlichen Institution wirklich tiefe Wurzeln schlagen können. Ich stehe immer irgendwo dazwischen. Aufgewachsen bin ich unkirchlich. Mein erster „kirchlicher“ Kontakt war römisch-katholisch. Da bin ich lange hin gegangen, auch ohne getauft zu sein. Taufe mit 20: Evangelisch. Das war schon gut, da habe ich viel mitgenommen – und war dann ja auch 12 Jahre im kirchlichen Dienst. Aber echte HEIMAT wurde es mir nicht. Heimatgefühle habe ich am ehesten noch, wenn ich mich mit ebenfalls nicht wirklich beheimateten Mitchristen über Glaubens- und Lebensfragen austauschen kann. Nun bin ich Alt-Katholisch. Ich erlebe (in der kurzen Zeit, die ich jetzt drin bin) die alt-katholische Kirche als eine Art Sammelbecken für sehr viele „gestrandete“ Gestalten wie mich. (Abgesehen von den eher wenigen, die von Geburt an alt-katholisch waren, aber die haben wir hier vor Ort soweit ich weiß gar nicht). Ist es nun gut oder schlecht so? Es ist einfach wie es ist. Auch Jesus hatte keine echte geistliche Heimat, seine innere Heimat war bei Gott. Vielleicht liegt auch ein Segen darin, zu erkennen, dass menschliche Institutionen immer vorläufig sind und die eigentliche Kirche keine menschliche Institution ist, sondern die alle Generationen umspannende Gemeinde der Heiligen, gleich welches Etikett an der Kirchentür pappt oder ob es überhaupt eine Kirchentür gibt. Trotzdem halte ich mich nun zur alt-katholischen Kirche. Und wenn bei uns keine Messe ist (wir leben hier in einer extremen Diaspora), dann „wandere“ ich eben. Römisch-katholisch, evangelisch, freikirchlich…Beten kann man überall.

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  3. Thomas Jakob schreibt:

    Interessant. Ich habe schon mal überlegt, ob ich nicht anfangen sollte, alle fünf Jahre die Konfession zu wechseln. Das sich Abfinden mit dem Status quo unter dem Etikett „versöhnte Verschiedenheit“ ist mir zu wenig.

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  4. Pingback: Umwege? – Verlorene Zeit? | Weihrausch und Gnadenvergiftung

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