»… aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen«

Heute Morgen fast zeitgleich in Köln:

Auch wenn mittlerweile wieder öffentliche Gottesdienste – mit Auflagen – möglich sind, gibt es glücklicherweise immer noch die Möglichkeit, der Liturgie per Streaming zu folgen. Selten habe ich so sinnfällig wie gerade jetzt wahrgenommen, dass das Lob Gottes nicht begrenzt ist durch Ort, Sprache, Kultur, Nationalität und auch nicht durch die derzeitigen Umstände.

Wie ich es schon zu Ostern wahrgenommen habe: „Vielleicht macht gerade die jetzige Situation besonders deutlich, dass wir Liturgie nie nur mit den uns gerade umgebenden Menschen feiern, sondern immer in Gemeinschaft mit der ganzen Kirche und der himmlischen Wirklichkeit – letzteres ganz ohne Abstandsregeln und Infektionsgefahr.“

Danach sah ich, und siehe, eine große Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen; die standen vor dem Thron und vor dem Lamm, angetan mit weißen Kleidern und mit Palmzweigen in ihren Händen, und riefen mit großer Stimme: Das Heil ist bei unserm Gott, der auf dem Thron sitzt, und bei dem Lamm! Und alle Engel standen rings um den Thron und um die Ältesten und um die vier Wesen und fielen nieder vor dem Thron auf ihr Angesicht und beteten Gott an und sprachen: Amen, Lob und Ehre und Weisheit und Dank und Preis und Kraft und Stärke sei unserm Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.
(Offenbarung 7, 9-12)

 

Lebensrealitäten

Wer von der Kirche erwartet, dass sie sich den „Lebensrealitäten ihrer Mitglieder“ – oder ganz allgemein der säkularen Gesellschaft – anpasst, …

… der erwartet wohl auch von einer Zahnspange, dass Sie sich den dem krummen Gebiss anpasst.

Ein kleiner Unterschied

Kirchliche Diskussionen laufen gerne schonmal unter dem „Highlander-Motto“ ab – „Es kann nur einen geben“!

Christen, denen ihr Glaube wichtig ist, verteidigen diesen selbstverständlich. Wir leben auch nicht gerade in einer Zeit, in der Apologetik nicht dringend nötig wäre. Schwierig wird es dann, wenn nichts Richtiges, Gutes, Hilfreiches stehen gelassen werden kann, nur weil es von der falschen Seite, Bewegung oder gar Konfession kommt. Jeder gute Ansatz ist dann sofort zu verwerfen, wenn er aus der falschen Ecke kommt.

Als Christen können wir nicht oft genug betonen, dass Christus das Zentrum des Glaubens und das Haupt der Kirche ist. Da gibt es keinerlei Möglichkeit, indifferent zu bleiben. Einen Mittelweg gibt es nicht.

Gleich an zwei Stellen in den Evangelien wird uns überliefert, was Christus in Bezug auf sich selbst sagt:

»Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich;
und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.«
(Mt. 12, 30 / Lk 11, 23)

Ein anderes Jesuswort hört sich ganz ähnlich an, scheint dem aber komplett zu wiedersprechen. In Bezug auf seine Jünger und Nachfolger heißt es nämlich:

»Und Jesus sprach zu ihm: Wehrt ihm nicht!
Denn wer nicht gegen euch ist, der ist für euch.«
(Lk 9, 50)

Die Kirche hängt engstens mit Christus ihrem Haupt zusammen, aber sie ist nicht 100% identisch mit ihm. So wichtig die Kirche für den Gläubigen ist, sie existiert auch in einer gefallenen Welt mit eingeschränkter Erkenntnis und begrenztem Fassungsvermögen.

Ich halte es für gut möglich, dass andere kirchliche Traditionen Dinge bewahrt (oder neu entdeckt) haben, die uns vielleicht verloren gegangen sind – und dass bei uns Dinge lebendig geblieben sind, die bei anderen vielleicht in Vergessenheit geraten oder in den Hintergrund gerückt sind. Das wahrzunehmen halte ich einerseits für einen großen Reichtum, andererseits aber auch für eine Herausforderung, meine eigene Position immer wieder neu zu reflektieren.


Disclaimer: Nein, das ist jetzt kein Plädoyer dafür, sich steinbruchartig bei anderen Konfessionen zu bedienen, sich seine individuelle Religion zusammen zu basteln und alle real vorhandenen Grenzen eigenmächtig zu überschreiten. Das gebietet alleine schon der Respekt vor der eignenen und der jeweils anderen Tradition.


Ähnliches Thema:

Dienst wertschätzen

Als Christen – erst recht als kirchlich Engagierte – leben wir in der paradoxen Situation, dass einerseits häufig von Wertschätzung die Rede ist, andererseits von “innen” und “außen” erwartet wird, dass wir uns selbstlos engagieren. Dienste, die im Hintergrund geschehen, sind vielleicht auch deshalb so unbeliebt.

Aber neu sind diese Probleme ganz und gar nicht. Bereits in den neutestamentlichen Briefen kommt Paulus gleich zweimal darauf zu sprechen:

“Wer zieht denn in den Krieg und zahlt den eigenen Sold? Wer pflanzt einen Weinberg und isst nicht von seiner Frucht? Oder wer weidet eine Herde und nährt sich nicht von der Milch der Herde? Sage ich das nach menschlichem Gutdünken? Sagt das nicht auch das Gesetz? Denn im Gesetz des Mose steht geschrieben (5. Mose 25,4): »Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden.« Sorgt sich Gott etwa um die Ochsen? Oder redet er nicht überall um unsertwillen? Denn um unsertwillen ist es geschrieben.” (1. Korinther 9,7-10a)

“Die Ältesten, die der Gemeinde gut vorstehen, die halte man zweifacher Ehre wert, besonders, die sich mühen im Wort und in der Lehre. Denn die Schrift sagt (5. Mose 25,4): »Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden«; und: »Ein Arbeiter ist seines Lohnes wert«. Gegen einen Ältesten nimm keine Klage an ohne zwei oder drei Zeugen.” (1. Timotheus 5,17-19)

Paulus spricht hier in erster Linie von finanzieller Versorgung. Im ehrenamtlichen Dienst spielt aber Anderes eine größere Rolle. Viel fruchtbarer Dienst wird behindert oder sogar gänzlich verhindert, weil mit den Aufgaben nicht auch entsprechende Kompetenzen abgegeben werden. Wer will, dass Menschen eine Arbeit tun, kann nicht alles klein- / kleinstteilig kontrollieren wollen, sonst degradiert er sie zu Handlangern. Wem ein Dienst anvertraut wird, der übernimmt damit auch in einem gewissen Rahmen die Verantwortung. Die Währung, mit der ein ehrenamtlicher Dienst entlohnt wird, ist das Vertrauen und ein entsprechender Handlungsspielraum. Das ist mehr wert, als Dankesworte und eine Ehrung einmal im Jahr – auch wenn die natürlich nicht ausbleiben sollen.

Wider die Mauleritis

LeseempfehlungBloggerkollege Tobias macht sich Gedanken über den Unterschied zwischen berechtigter / konstruktiver Kritik und destruktiver Meckerei:

„Zu meckern gibt es immer was“

Unbedingt lesenswert, obwohl – oder gerade weil – man sich bei manchen Beispielen irgendwie ertappt fühlt …


Es gibt Leute,
die schütteln so lange den Kopf über der Suppe,
bis sie ein Haar darin finden
(Quelle leider nicht mehr präsent)

Merken

Herausforderung Gemeinschaft

Pater Ulrich schreibt auf seinem Blog über seinen Fastenvorsatz „Sich der Gemeinschaft nicht entziehen“. Als Benediktiner bezieht er sich dabei – wenig überraschend – auf die Benediktsregel zum Thema Fastenzeit.

Nun bin ich kein Benediktiner, aber ich habe mich trotzdem ertappt gefühlt. Ausgerechnet jetzt, wo mir gerade danach ist, mich an einigen Stellen ein bisschen rauszuziehen! Ich kenne den Drang nur allzu gut, sich zurückziehen zu wollen und dem eigenen Rhythmus oder auch einfach dem eignen Gusto den Vorrang geben zu wollen – und damit die Reibungspunkte einfach zu vermeiden.

Leider kann ich mich nicht einmal damit herausreden, dass ich mich ja nicht an die Benediktsregel halten muss. Dasselbe findet sich nämlich auch in der Bibel, deren Relevanz für mich als Christen ich wohl kaum in Abrede stellen kann:

„… und lasst uns aufeinander Acht haben und uns anreizen zur Liebe und zu guten Werken und nicht verlassen unsre Versammlungen, wie einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das umso mehr, als ihr seht, dass sich der Tag naht.“ (Hebr. 10, 24-25)

 

Na, herzlichen Dank für diese Herausforderung am Beginn der Fastenzeit, lieber Pater! 😉

Das Wort ist Fleisch geworden …

… nicht Buch!


 

troesten

Facebook-Fund

Eigentlich finde ich diese Cartoon-Reihe meist ziemlich gelungen, aber mit der Bild-Aussage oben habe ich doch massive Probleme.

Schade, dass gerade kurz nach Weihnachten, wo wir die Menschwerdung Christi gefeiert haben, der Trost (und die Person) Gottes durch ein Buch repräsentiert werden – so wichtig die Bibel auch sein mag. Von meinem Empfinden her grenzt die Aussage der Zeichnung an „eingebildeten Trost“ oder Autosuggestion – genau das Gegenteil dessen also, worum es eigentlich gehen soll:

Ich selbst werde euch trösten, wie eine Mutter ihr Kind tröstet.“
(Jesaja 66, 13)

ZDK – Ich hätte da mal ’ne Frage

AntwortThomas Sternberg ist neuer ZdK-Präsident‚  titelt katholisch.de, mit dem Untertitel ‚Katholikenkomitee wählte CDU-Politiker für zwei Jahre‘

Bei dem, was ich hier und in anderen Veröffentlichungen (inkl. ZDK-eigener Darstellungen) lese, drängen sich mir ein paar Fragen auf:

Warum werden eigentlich im Zusammenhang mit ZDK-Posten immer die politischen Ämter und die Parteizugehörigkeit so hervorgehoben? Erst auf den zweiten oder dritten Blick erfährt man, dass der neue ZDK-Präsident Theologe ist und eine katholische Akademie leitet.

Wie kommt es, dass bei einem Gremium, das katholische Laien, Gläubige vertreten soll, die ‚Funktionäre‘ über Parteizugehörigkeit und politisches Engagement indentifiziert werden?

Fragen, Fragen und noch mehr Fragen …

Heilige Räume

20140223_Maastricht(5)Bei einem Ausflug nach Maastricht habe ich eine Kirche gesehen, die zur Buchhandlung umgewandelt wurde. Wo vorher der Altar stand, kann heute Kaffee getrunken werden. Ich gebe zu, dass es weh tat, das so zu sehen. Aber der Sinn für die Heiligkeit, also das Ausgesondertsein, von Räumen für die Begegnung mit Gott schwindet immer mehr.

Auf dem Blog „Frischer Wind“ habe ich dazu eine – wie immer sehr treffende – Predigt von P. Bernward Deneke FSSP gefunden:

Die Wohnung Gottes bei den Menschen
und ein Stück Himmel auf Erden

Sehr lesenswert!

Das erklärt Vieles :-)

Die Saarländer und ihr Glaube – Eine kleine Aufklärung

Eine kurzweilige und treffende Sendung des Deutschlandfunks über die Kirche im kleinsten aber katholischsten Bundesland, direkt hier zu hören:

 

Also bitte künftig nicht mehr wundern!
Es liegt alles nur daran, dass ich Saarländerin bin.