Komplet am Sonntag (3)

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Veni, veni Emmanuel

Jetzt kenne und liebe ich dieses Adventslied schon so lange und habe jetzt erst festgestellt, dass es von den O-Antiphonen inspiriert ist. Darum gerade heute:

Die O-Antiphonen:

17.12. O Weisheit, hervorgegangen aus Gottes Mund, mächtig wirkst du in aller Welt, und freundlich ordnest du alles. Komm, o Herr, und lehre uns den Weg der Einsicht.

18.12. O Herr und Fürst des Hauses Israel, du bist dem Mose erschienen in der Flamme des Dornbuschs und gabst ihm das Gesetz am Sinai. Komm, o Herr, und erlöse uns mit starkem Arm.

19.12. O Wurzel Jesse, gesetzt zum Zeichen für die Völker. Vor dir verstummen die Mächtigen, zu dir rufen die Völker. Komm, o Herr, und erlöse uns, zögere nicht länger.
Jesse war der Vater Davids, der Messias wird nach der Überzeugung des Alten Testaments ein Nachkomme Davids sein, der aus Bethlehem stammt.

20.12. O Schlüssel Davids und Zepter des Hauses Israel, du öffnest und niemand schließt, du schließest und niemand öffnet. Komm, o Herr, und befreie aus dem Kerker den Gefangenen, der da sitzt in Finsternis und im Schatten des Todes.

21.12. O Anfang, Glanz des ewigen Lichtes, du Sonne der Gerechtigkeit, komm, o Herr, und erleuchte uns, die wir sitzen in Finsternis und im Schatten des Todes.

22.12. O König der Völker, den sie alle ersehnen. Du Eckstein, der das Getrennte eint. Komm, o Herr, und befreie den Menschen, den du aus Erde erschaffen hast.

23.12. O Immanuel, Gott mit uns. Du König und Lehrer, du Sehnsucht der Völker und ihr Heiland. Komm, o Herr, und erlöse uns, Herr, unser Gott.

Paul Gerhardt

stern_adv3 Einer der Liederdichter, die mich immer sehr berührt haben, ist Paul Gerhardt. Ich werde hier nicht viel über die Lebensdaten dieses bekannten evangelischen Liederdichters aus dem 17. Jahrhundert schreiben. Das haben andere Kompetentere ausführlich getan.

Dieser Mann, dessen Lieder so sehr von der Hoffnung und von der innigen Verbindung zu Christus sprechen, war wahrhaftig nicht auf Rosen gebettet. Er hat die Schrecken des 30jährigen Krieges und verschiedener Seuchen erlebt, stand mitten im Konflikt zwischen lutherischer und reformierter Lehre und musste auch persönlich mit einigen Schicksalsschlägen zurecht kommen. Im Alter von 14 Jahren war bereits verwaist. Er hat später auch vier seiner fünf Kinder sowie seine Frau verloren. Umso beeindruckender sind die Hoffnung und das Vertrauen, die in seinen Liedern zum Ausdruck kommen, auch wenn das Schwere nicht verschwiegen wird.

Im Wikipedia-Artikel heißt es: „Gerhardt wird auch das Verdienst zuerkannt, die Entwicklung vom Bekenntnislied zum Andachtslied und das zuversichtliche Preis- und Dankgebet gefördert zu haben. Seine Gedichte haben sich zu Volks- und Familienliedern christlichen Glaubens entwickelt.“ Seine Lieder sind also weniger für den gemeinsamen Gottesdienst, sondern eher für die persönliche Andacht gedacht. Sie erlauben es sich, subjektiv zu sein. Trotzdem haben sie Aufnahme in viele Gesangbücher gefunden – evangelische, freikirchliche und katholische.

Von Paul Gerhardt stammt zum Beispiel eines meiner zwei Lieblings-Adventslieder – ‚Wie soll ich dich empfangen‘:

Obwohl diese Texte so subjektiv sind und so stark das persönliche Glaubenserleben thematisieren, haben sie offenbar auch Gläubigen anderer Zeiten und Prägungen etwas zu sagen.

So schreibt Dietrich Bonhoeffer aus dem Gefängnis in Tegel über das Weihnachtslied ‚Ich steh‘ an deiner Krippen hier‘: „Ich hatte mir bisher nicht viel daraus gemacht. Man muss wohl lange allein sein und es meditierend lesen, um es aufnehmen zu können. Es ist in jedem Worte ganz außerordentlich gefüllt und schön. Ein klein wenig mönchisch-mystisch ist es, aber doch gerade nur soviel, wie es berechtigt ist; es gibt eben neben dem Wir doch auch das Ich und Christus, und was das bedeutet, kann gar nicht besser gesagt werden, als in diesem Lied.“ (in: Widerstand und Ergebung)

Bei aller notwendigen Betonung der Objektivität – und heute ist sie sicher nötiger als zu Paul Gerhardts Zeiten – braucht eben auch die persönliche Frömmigkeit ihren Raum.

‚Ich steh‘ an deiner Krippen hier‘ ist übrigens mein persönlicher Favorit unter den Weihnachtsliedern.



 

„Erwachsene auf dem Weg zur Taufe“ – eine DVD

ErwachsenentaufeVor Kurzem habe ich diese DVD in die Hände bekommen, die vom Erzbischöflichen Seelsorgeamt Freiburg mit Unterstützung des Bonifatiuswerks herausgegeben worden ist. Im Begleitmaterial heißt es:

Dieser Film und das damit verbundene Begleitmaterial richten sich vor allem an:

  • Katechumenatsbegleiter/innen
  • Patinnen und Paten von Katechumenen
  • Studierende, pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
  • sowie an alle, die an der Vorbereitung auf die Taufe Erwachsener interessiert sind

Sechs Erwachsene – 4 Frauen, 2 Männer – und ihre Katechumenatsbegleiter gewähren in einem 30-minütigen Film Einblick in die Vorbereitung auf die Taufe. Besonders aufgefallen sind mir dabei die sehr unterschiedlichen Zugänge sowohl der Taufbewerber als auch ihrer jeweiligen Begleiter. Gezeigt wurde neben der notwendigen Wissensvermittlung eine sehr individuelle Taufvorbereitung, in der die persönlichen Fragen und das konkrete Glaubensleben der Katechumenen einen großen Raum einnahmen.

In den Einzelportraits zeigen sich nochmal besonders die unterschiedlichen Wege, wie diese Taufbewerber angesprochen wurden: über die Musik, die Begegnungen in den Gemeinden, das Kennenlernen eines Klosters oder über die Jugendarbeit.

Auf der DVD befindet sich auch eine 25 Seiten starke PDF-Datei als Begleitmaterial. Neben einer Kurzinformation über die altkirchliche Taufpraxis ist hier sehr verständlich und gut strukturiert auch der Ablauf der Taufvorbereitung / des Katechumenats beschrieben – mit praktischen Hinweisen für die Verantwortlichen.

Außerdem noch:

  • Beispielhafte Konzepte der Katechumenatswege, die auch schon im Film auftauchen.
  • Einige Texte, die sich damit auseinandersetzen, wie Menschen Zugang zum Glauben finden
  • Eine weiterführende Literaturliste

Insgesamt empfand ich die DVD als sehr ansprechend. Mir persönlich hat sie Lust gemacht, mich evtl. ebenfalls in diesem Bereich engagieren zu wollen. Leider hat es aber auch den Eindruck hinterlassen, dass die Taufbewerber hauptsächlich mit gesondert gestalteten Gottesdiensten in Berührung kamen. Die Einbindung in Leben und Liturgie der Ortsgemeinde kam kaum zur Sprache. Die Subjektivität der Herangehensweise scheint mir gleichzeitig Stärke und Schwäche des Filmes zu sein. Andererseits kann es in einer solchen DVD ja nur um ein Schlaglicht gehen, dem eine weitere Beschäftigung mit dem Thema folgen muss. Und dazu gibt das Begleitmaterial ja auch Hinweise. Als „Appetithappen“ also sehr gelungen!

Bezugsquelle: Katholisches Filmwerk GmbH